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Neues Leben für ortsprägendes Denkmal

30. Mai 2023

Der Gasthof zur Post in der niederbayerischen Marktgemeinde Frontenhausen wurde 1905 errichtet und prägte seither den Ort maßgeblich. Innen wie außen finden sich an dem Gebäude historische Stilelemente des Jugendstils, aber auch eher pragmatische Einbauten aus späteren Jahrzehnten. In letzter Zeit stand das Gebäude leider leer, weswegen die Gemeinde jetzt das Planungsbüro aichner kazzer architekten mit dessen Reaktivierung beauftragt hat. Dabei wurde das Bauwerk grundlegend saniert, technisch ertüchtigt und zu einem Gemeindezentrum mit Gaststätte erweitert.


von Thomas Geuder, der Raumjournalist



Vor der Reaktivierung des Gebäudes und der umfassenden Sanierung war der Veranstaltungssaal mit Einbauten und farblichen Elementen aus den 1970er-Jahren versehen.
© Peter Litvai, Landshut


Das Gebäude befand sich zu Projektbeginn in einem desolaten Zustand. Sämtliche Oberflächen, natürlich die Fenster sowie die technische Ausstattung mussten erneuert oder zumindest runderneuert werden. Außerdem musste das Mauerwerk im Erdgeschoss trockengelegt und eine Schadstoffsanierung durchgeführt werden. Alle Maßnahmen wurden mit dem Ziel durchgeführt, das als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) gelistete Gebäude in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen. Nicht bauzeitliche Einbauten oder Oberflächen mussten also entfernt und das gesamte Gebäude auf den Rohbau rückgebaut werden, um im Anschluss alles erneuern zu können. Vorbild für die Neugestaltung waren Bilder und Pläne aus der Zeit der Erstnutzung sowie das Bild einer neuen bayerischen Gaststätte.

 


Früher wie heute dienten die Öffnungen in der Rabitzdecke der Entlüftung. Heute jedoch übernimmt das eine zusätzliche Lüftungsanlage.
© Peter Litvai, Landshut



Wichtig war die Wiederherstellung der bauzeitlichen Gestaltung, wobei auch einige Jugendstilelemente übernommen wurden.
© Henning Köpke, München

 

Nahezu unsichtbare Technik im Innenraum


Eine bauliche Besonderheit findet sich im ersten Obergeschoss mit dem zwei Geschosse hohen Tanzsaal. Er bleibt in seiner ursprünglichen Nutzung erhalten, wurde jedoch mit zeitgemäßer Technik ausgestattet, was vor allem die denkmalgerechte Einbindung der Veranstaltungs-, Lüftungs- und Rauchabzugstechnik betrifft. Die neue Ausstattung sollte sich möglichst elegant in die bestehende und von überschüssigem Dekor befreite Raumgestaltung einfügen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei die Rabitzgewölbedecke, eine Konstruktion, bei der ein aufgehängtes Drahtgitter als Unterkonstruktion und Putzträger für den Putzmörtel dient. So sind etwa möglichst kleine Lautsprecher im Raum verteilt, die sich nur wenig auf die Gesamtgestaltung auswirken. Ebenso die Halterungen für die individuelle Veranstaltungstechnik aus Stahl, deren Farbgebung sich an die Stahlstützen des elegant geformten Obergeschossrangs anlehnen. An der rückwärtigen Wand sind gestalterisch zurückhaltend Weitwurfdüsen für die Zuluft angeordnet, die Entlüftung und Entrauchung funktioniert über drei bestehende Öffnungen in der Rabitzgewölbedecke, die mit einer Lüftungsanlage im Spitzboden verbunden sind. An diese Anlage sind ebenfalls die Seminarräume sowie die Sanitärbereiche verbunden.

 


Heute wird der Gasthof als zeitgemäße bayerische Gaststätte betrieben. Für die ortsansässigen Vereine gibt es zusätzliche Räumlichkeiten.
 Henning Köpke, München

 

Erweiterungsbauten für Heizung und Lüftung


Schließlich war es notwendig, für die komplexe Gebäudetechnik, den heutigen Nutzungsstandard als Gaststätte mit Veranstaltungssaal, die barrierefreie Erschließung der Obergeschosse sowie den Brandschutz auf der Gebäuderückseite einen Anbau zu realisieren. Der zweigeschossige Massivbau ist mit einer vorgeblendeten Holzlatten- bzw. Leisten-Deckel-Fassade versehen und bietet Platz für die allgemeine haustechnische Versorgung mit den Hausanschlussräumen, dem Heizraum, der Brandmeldezentrale, den Technikräumen mit einer kombinierten Zu- und Abluftanlage für die Belüftung der Gaststätte und des Tanzsaals, mit dem Biergartenausschank sowie einigen Nebenräumen. Ein zweiter, den Biergarten räumlich fassender Stadel nimmt weitere Neben- und Lagerräume sowie eine Musikbühne auf. Die neue Wärmeversorgung erfolgt durch eine Gas-Brennwert-Kesselanlage mit einer Leistung von 170 kW. Selbstredend wurden sämtliche Verteilungs-, Steig- und Anschlussleitungen erneuert, wobei allerdings die historischen Heizkörper instandgesetzt und weiterverwendet wurden. Der reaktivierte Gasthof zur Post in Frontenhausen ist so gemäß der aktuellen Versammlungsstättenverordnung bestens für die Zukunft gewappnet.

 


Im ersten Obergeschoss befindet sich ein besonders reizvoller Veranstaltungs- und Tanzsaal mit historischer Rabitzdecke, an dessen Rückwand sich die Belüftung befindet.
© Henning Köpke, München

 

Projektdaten:

 

Projekt: Gasthof zur Post in Frontenhausen

Architektur: aichner kazzer architekten, München

Bauherrenschaft: Marktgemeinde Frontenhausen

Gebäudetechnik: Intertech Ingenieurgesellschaft für integrative technische Planung, Landau a. d. Isar

Medientechnik: Zeiler-Technik, Neuötting/Eisenfelden

Landschaftsarchitektur: Helmut Wartner und Tobias Nowak Partnerschaftsgesellschaft, Landshut

Bauleitung: wackerbauer & reitberger architekten, Straubing

Statik: Polster Beratende Ingenieure, Dingolfing, mit IFB Eigenschenk, Deggendorf

BGF: Bestand 2.430 m², Neubau Anbau 235 m², Neubau Stadel 149 m²

Baukosten: 6,3 Mio. €

Fertigstellung: 2021

Standort: Bahnhofstraße 2, 84160 Frontenhausen


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